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synchronous objects


Artikel von Marcus Mangeot

In Synchronous Objects, reproduced wird der Betrachter in eine Konfrontation mit den tiefsten Strukturen einer Tanzchoreografie geführt und erfährt dabei ein erweitertes Bewusstsein durch Video, Animationen und interaktive Grafik für ineinandergreifende Strukturen und choreographische Zusammenhänge.

Die Rauminstallation Synchronous Objects, reproduced ist die immersive Neufassung des webbasierten Vorgängers Synchronous Objects For One Flat Thing.

One Flat Thing, reproduced ist ein im Jahr 2000 uraufgeführtes Bühnenstück von von William Forsythe. Forsythe zählt zu den größten Choreographen des zeitgenössischen Tanzes. Seine Choreographien versteht er als Sprache, die ausdrucksstark und komplex zu gleich anmutet. Mit eigens kreierten Bewegungstechniken fördert er den Ausdruck der Tänzer und schafft daraus individuelle Erzählstränge, die in einer Choreographie zusammen wirken. In One Flat Thing, reproduced dienen 20 Tische als Spielfläche für 17 Tänzer.

Ein interdisziplinäres Forschungsteam aus den Fachbereichen Design, Tanz, Computerwissenschaft, Geografie, Statistik und Architektur beschäftigte sich
mit der Frage, wie choreographische Strukturen zu verstehen seien, wenn sie nicht getanzt werden. Durch interaktive Grafiken, Animationen, parallele und virtuelle Manifestationen wird die verflochtene Organisationsstruktur und die zugrunde liegende Systematik der Sprache des Tanzes in dem webbasierten Projekt Synchronous Objects enthüllt.

Ziel des Projektes war die Entschlüsselung der Choreographie bis hin zu einer allgemein nachvollziehbaren Notation die sich in dieser webbasierten Bibliothek evolutionieren soll. Vom Tanz zu Daten zum Objekt ist die Aufschlüsselung der zugrunde liegenden Strultur. Der Tanz beinhaltet ein System von 25 thematischen Bewegungmustern (Movement Material), ein Einsatzsystem (cueing), das wie eine taktgebende Uhr zu verstehen ist und ein Beziehungssystem (Alignments).

Das Dekodieren dieser drei Organisationssystem ergibt räumliche Daten (spatial Data) und Eigenschaften (attribute Data). Diese Ergebnisse werden in visuelle Interpretationen als sog. Objekte überführt. Über vier Jahre lang erstreckte sich die Dekodierung und Visualisierung bis das interaktive Multimedia Projekt online ging. Das Projekt richtet sich allerdings nicht nur an den Bereich Tanz: „Das Projekt geht von der Feststellung aus, dass Choreografie eine organisatorische Praxis ist, in der grundlegende Strategien des Kreativen zum Einsatz kommen, die auch in anderen Bereiche relevant sind.“ (Forsythe, 2009)

Im Rahmen des Advanced Computing Center for the Arts and Design (ACCAD) der Ohio State University arbeiteten die beteiligten Wissenschaftler zusammen. Die Creative Directors des Projektes William Forsythe, Maria Pazzi und Norah Zuniga Shaw sehen ihre Forschung als einen Prozess, in dem choreographische Bewegungstechniken die Informationsgrundlage für die Formbildung individueller visueller Objekte sind. Aufgrund einer schematischen Überführung in die Form von Objekten, ist es möglich geworden, choreographische Ansätze vollständig zu erfassen und neue Interpretationen dieser zu konstruieren.

Die Bewegungssprache hat durch die neu gewonnene Notation eine neue interdisziplinäre Entwicklungsstufe erhalten. „The team created information visualizations of the dance that stand beside and apart from the dancers. Furthermore, the visualizations become a legible graphical language and an accessible conceptual framework through which researchers in other non-dance fields can approach dance as an interdisciplinary resource for ideas about space, structure and movement. This work underscores the profound impact possible in collaborations between major artists and interdisciplinary research teams using innovative and interpretive information visualization methods in making meaningful visual literatures that have relevance in contemporary society.“ (Palazzi & Shaw, 2009)

Im Kern geht es ihnen um das spielerische Kennenlernen, entdecken und enthüllen der menschlichen Wahrnehmung in einer komplexen Umgebung. In der Rauminstallation fließen die Erkenntnisse des webbasierten Projektes eindrücklich zusammen. Auf einer Großleinwand können die Betrachter einen Eindruck von verschiedenen Möglichkeiten der Visualisierungsformen (Video, digitale Kunst, Animation, interaktive Grafik) gewinnen. Das Ineinandergreifen unterschiedlicher Organisationsstrukturen innerhalb dieser Choreografie wird so deutlich veranschaulicht und auch Menschen zugänglich, die dem Tanz nicht affin gegenüber stehen. Forsythe Stück wurde nach Schnittstellen kontrapunktisch visualisiert und erzeugt hierdurch eine enorme Dichte vernetzter Themen und Variationen. Weiterhin visualisiert die Installation anhand Forsythe’ Stück, welche Verantwortung alle Tänzer für das gesamte Stück tragen, analog des Butterfly-Effektes. Mittels handgezeichneter Linien werden Beziehungen deutlich, Animationen beginnen zu tanzen und eröffnen eine visuelle Welt, die starke Faszination verursacht. „Die Änderung nur eines Parameters produziert Veränderungen, die Möglichkeiten scheinen unbegrenzt.“ (Forsythe 2009)

Quellen:

http://synchronousobjects.osu.edu

http://www.visualcomplexity.com/vc/project.cfm?id=667

http://www.isea2010ruhr.org/de/programme/performances/synchronous-objects

http://www.ruhrportal.de/kulturhauptstadt-ruhr-2010/elektronische-atmosphaeren-ausstellung-der-isea201-ruhr

http://www.pact-zollverein.de/deutsch/archiv/kuenstler/kuenstler_qt/bio_shaw-norah-zuniga.html

http://www.arte.tv/de/20-Jahre-ARTE/Im-Programm/3448720,CmC=3449120.html

http://www.kulturportal-hessen.de/de/Theater_und_Tanz/Nachrichtenarchiv_Theater_und_Tanz/Synchronous_Objects_for_One_Flat_Thing/index.phtml

http://www.kulturstiftung-des-bundes.de/cms/de/sparten/film_und_neue_medien/motion_bank.html

http://www.tanznetz.de/kritiken.phtml?page=showthread&aid=39&tid=14540

http://www.tanzplan-deutschland.de/tools_motion.php?id_language=1

Palazzi, Shaw (2009): Synchronous Objects for One Flat Thing, reproduced, New Orleans

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